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Wenn man im Reitsport-Kontext den Namen „Hamburg“ fallen lässt, dann denkt jeder an das gleiche – an eines der Events des Jahres – das Hamburger Derby.

Im wunderschönen Stadtteil Klein Flottbeck unweit der Elbe liegt direkt neben dem bekannten Jenischpark der Derby Park. Und einmal im Jahr trifft dort die Elite des Reitsports aufeinander – und ich war mitten drin.
Ursprünglich geplant war eigentlich nur die fotografische Begleitung von den Pferden von meiner guten Freundin Nadine (@bonnechancehorses). Aber eine Woche vor Beginn des Derbys kam ein Anruf, ob ich mir vorstellen könne Reels für den Hauptsponsor des Events, die Al Shira’aa Stables, zu drehen. Und somit war ich auf einmal Teil des Presseteams des Derbys.

Eigentlich war meine Anreise erst für Donnerstag, zusammen mit Nadine, ihren Pferden und den dazugehörigen Reitern geplant. Aber da bereits am Mittwoch eine wichtige Prüfung des Sponsors stattfand, wurde kurzfristig umgeplant: Es ging morgens mit dem Zug nach Hamburg – soweit so gut. Mit der Straßenbahn nach Klein Flottbeck und von der Straßenbahnstation zum Derbyplatz – ich sag euch: Treppen mit zwei Koffern mit Kamaras und Objektiven sind kein Geschenk. Angekommen erst einmal zur Akkreditierung und dann ins Pressezelt, um ein Badge für den Zutritt zum Hauptplatz zu bekommen. Ohne Fotografen-Badge ist nämlich kein Zugang zum Platz möglich. Die erste Prüfung war gefilmt und dann ging es für mich auch schon wieder direkt zurück in die S-Bahn und dann zum Zug – denn die Club-Party des Grün-Gold-Clubs in Bremen durfte natürlich nicht verpasst werden. Was nicht eingeplant war, war der übervolle Zug und das Schneiden meines Videos auf meinem Kamerakoffer sitzend, damit es rechtzeitig hochgeladen werden kann. Aber für die Party hat sich das gelohnt :D.

Perfekter Arbeitsplatz

Die nächsten Tage war es dann etwas entspannter hinsichtlich der Reisesituation, da ich ab dann in Hamburg übernachtet habe.

Der Donnerstag startete für mich mit dem Preis der Deutschen Vermögensberatung AG. Ein 5*-Springen über zwei Runden. Hier konnte sich der Ire Cian O’Connor vor Edouard Schmitz, Arne Heel und Mario Stevens behaupten. Für meine Videos habe ich immer versucht die ganze Atmosphäre des Platzes einzufangen. Also nicht nur den Sport, sondern auch das Publikum, die Details beim Ein- und Ausreiten der Reiter und aber natürlich auch die Präsenz des Sponsors. Möglich wurde dieses flexible Arbeiten auch durch meine Ausrüstung: Mit dabei: meine Sony A7IV mit dem 70-200 2.8 GM und zusätzlich eine A7V mit dem wahnsinnigem 300 2.8 GM – eine unglaubliche Linse, die ich schon in Leipzig diese Jahr dabei haben konnte und die eine Schärfe besitzt, wie ich sie von kaum einem anderen Objektiv kenne. Ich hatte ein wenig Bedenken, dass die 300mm handgeführt etwas wackelig werden könnten, aber mit etwas Übung funktioniert das Ganze echt gut und somit konnte ich Emotionen der Reiter und des Publikums aus der Nähe einfangen.

Der Workflow für meinen Derby-Content war an allen Tagen ähnlich: Bei Start der Parcours-Besichtigung zum Platz um Impressionen einzufangen und selber den Parcours einzusehen. Das ist unglaublich wichtig, damit man schon im Vorfeld einen Plan hat, wo es sinnvoll ist während der Prüfung platziert zu sein. Grade in den hohen Prüfungen und den TV-Springen hat man während der laufenden Prüfung nur in den Pausen die Möglichkeit sich umzupositionieren und daher braucht man auf jeden Fall im Vorfeld eine Übersicht, an welchen Stellen man wann sein muss. Wenn ich dann die Situation eingeschätzt hatte, bin ich oft vor Prüfungsbeginn aus dem Parcours gegangen, um zuerst Sequenzen vom Publikum, Reitern beim Ein- und Ausreiten und Momente aus dem Kiss and Cry (der kleinen Tribüne für die Angehörigen des Reiters) aufzunehmen. Richtung Mitte der Prüfungen bin ich dann in den Parcours hinein, um die Sportaufnahmen zu machen. Da ich für den Sponsor vor Ort war und nicht für einen speziellen Reiter, konnte ich mich ganz auf die Momente für das Video konzentrieren und somit sportliche Momente aller Reiter für meinen Content nutzen. Nach der Siegerehrung ging es dann direkt ins Pressezelt. Dort habe ich Musik für das Reel ausgesucht, dann meine Aufnahmen gesichtet und sortiert und danach das Video geschnitten. Nach der Abnahme durch meine Kontaktperson vor Ort wurde das Video dann meistens direkt gepostet.

Neben der Arbeit für Al Shira’aa, habe ich auch die Pferde von Nadine mit meiner Kamera begleitet. Claire und Unlimited sind beide in der Amateur-Tour gestartet. Beide haben sich toll präsentiert und schöne Runden hingelegt. Während ich die Fotos gemacht habe, hat Harriet (@harriet_charlotte, @hcj_media) beide Pferde videografisch begleitet. Ein ganz toller Teil dieses ganzen Jobs ist, dass man immer wieder tolle Menschen kennenlernt. Harriet ist eine von diesen. Sonntag ging Unlimited das Amateurderby und wir haben im Parcours zusammen einfach mitgefiebert über alle Starter hinweg, dass Anneke, die Reiterin, und Unlimited eine tolle Platzierung bekommen und mit einem 4. Platz hat genau das geklappt!

Zwei weitere Prüfungen, die für mich besonders waren, waren zum einen der Große Preis von Hamburg am Samstag und das Derby selbst am Sonntag. Es gab unglaublich tollen Sport zu sehen, tolle Partnerschaften zwischen Reitern und Pferden und schöne Emotionen. Ich stand in der Siegerehrung vom großen Preis und hatte Tränen in den Augen. Das war der erste Große Preis für mich, den ich mit der Kamera begleitet habe und ich war einfach glücklich diese Möglichkeit gehabt zu haben und da überkam es mich. Als Andre Thieme mit Chakaria nach einem tollen Stechen diese Ehrenrunde ritt, war ich einfach glücklich.

Ähnlich lief es beim Derby ab. Das Derby wird nicht umsonst als schwerstes Springen der Welt bezeichnet. Ausschlaggebend dafür: Die Derbyhindernisse. Neben Pulvermanns Grab, den Bahnschranken und dem Gatter das wohl spektakulärste Hindernis: Der Wall – wird er in der zweiten Quali noch alleinstehend heruntergeritten (was an sich schon eine wahnsinnige Leistung ist), kommt am Sonntag direkt hinter dem Wall ein Plankensprung – der Reiter muss ideal den Wall herunter kommen, um in der kurzen Distanz sein Pferd wieder für die Planke vorbereiten zu können. Eine Aufgabe, die von Reiter und Pferd höchste Konzentration und gegenseitiges Vertrauen abverlangt. Aber auch nach dem Wall ist der Parcours noch lange nicht abgeschlossen – erst wenn man fehlerfrei die Mauer, den letzten Sprung, bewältigt hat, hat man eine Nullrunde im Hamburger Derby geschafft. Nicht selten gab es Derbys ohne Stechen, weil das erreichen einer Nullrunde den wenigsten gelingt. In diesem Jahr nur zweien: Frederic Tillmann mit Comanche als 14. Starter-Paar waren lange Zeit die einzigen Nuller im Springen – aber als letztes Paar konnte dann Simon Heineke mit Cordillo ebenfalls ins Stechen einziehen.
Während des Derbys kann man an den Hindernissen eine Nadel fallen lassen und jeder im Stadion würde es hören – eine Spannung die unvergleichlich mit anderen Prüfungen ist. Das Publikum schenkt den Paaren nach Bewältigung der Hindernisse einen tosenden Applaus – quasi einen mentalen Aufschwung auf das nächste Hindernis, um dann direkt davor wieder zu verstummen, um dem Paar die völlige Konzentration auf den Sprung zu ermöglichen.
Das Stechen des Derbys hätte spannender nicht sein können: Zwei Reiter, zwei Pferde. Frederic Tillmann legte mit einer zweiten starken und schnellen Nullrunde vor. Simon Heineke hatte weniger Glück – er beendete den Stechparcours mit 11 Strafpunkten. Somit war der Sieg entschieden: Frederic Tillmann und DSP Comanche VL gewannen zusammen das 95. Deutsche Spring Derby in Klein Flottbeck.
Und auch hier war die Siegerehrung eine Wucht. Während ich als Videograf versucht habe, alle wichtigen Momente einzufangen, war ich hautnahe dabei, wie die Emotionen vom Publikum, von Frederic Tillmann und nicht zuletzt von mir selber deutlich wurden. Auch hier war ich nahe am Wasser gebaut.

Was für mich dieses Wochenende einmalig und unglaublich schön machte, war nicht nur der tolle Sport, die netten Menschen und Begegnungen sondern auch etwas, das mich persönlich berührt hat – die Dankbarkeit an den Partner Pferd. Sowohl im Derby, im Großen Preis, aber auch in den Amateurprüfungen habe ich so viele Momente erlebt, in denen die Reiter ihren Pferden einfach nur dankbar waren. Unvergessen dabei natürlich die Nullrunde von Frederic Tillmann, der direkt nach dieser auf seinen Comanche zeigte, um dem Publikum zu verdeutlichen, dass der tosende Applaus Comanche gebührt. Ich bin glücklich genau diesen Moment mit der Kamera festgehalten zu haben, denn genau das zeigt, dass dieser Sport nur funktionieren kann, wenn Reiter und Pferd uneingeschränkt aufeinander vertrauen.

Jetzt gilt es mir nur noch danke zu sagen: Danke an Schafhof Connect und Al Shira’aa für den Auftrag, danke an Sony für die wahnsinnige Technik, die mir einmalige Aufnahmen ermöglicht hat, danke natürlich auch an Nadine, ohne die ich nie geplant hätte mit der Kamera da zu sein (toll auch ihre „Bonne Chance Bar“ – Gin Tonic darf auf einem solchen Event nicht fehlen!). Danke auch an alle tollen Leute, die diese Wochenende so einmalig gemacht haben, sowie alle Reiterinnen und Reiter, die einen tollen Sport gezeigt haben. Und schlussendlich – und das ist das wichtigste: Danke an unsere tollen Partner – die Pferde!

Das Wetter leider wechselhaft, aber das hat dem Erlebnis keinen Abbruch getan

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